Was Studien zur Dokumentationslast und zu KI-Assistenten zeigen – und wo wir noch belastbare Antworten brauchen.
2016DOKUMENTATIONSLAST
Wohin geht die Zeit im Praxisalltag?
Sinsky und Kollegen untersuchten die Zeitverteilung in vier ambulanten Fachrichtungen in den USA. Die Beobachtungsstudie macht die Bedeutung von elektronischer Dokumentation und Schreibtischarbeit sichtbar.
Tierney und Kollegen beschreiben den Einsatz von KI-Schreibassistenten in der Versorgung. Die Arbeit beleuchtet das Potenzial, Dokumentationsaufwand zu reduzieren und die Arzt-Patienten-Interaktion zu unterstützen.
Untersucht wurden jeweils andere KI-Assistenten, nicht Sanadoc. Aufgeführt sind die gemessenen Ergebnisse und die Einschränkungen, die die Autoren selbst benennen.
2026 · JMIR Medical Informatics
236.153 Dokumentationen in einem europäischen Gesundheitssystem
Sanmark und Kollegen werteten in einer schwedischen Versorgungskette 236.153 Dokumentationen von 1.295 Behandelnden aus. Die eingeschätzte Dokumentationszeit lag nach Einführung bei 4,72 statt 6,69 Minuten pro Dokument, rund 29 Prozent weniger.
Einordnung: Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe. Ausgewertet wurde eine ausgewählte Gruppe dauerhaft aktiver Nutzer, die Zeitangabe beruht auf der Selbstauskunft von 177 Befragten. 138.196 Dokumente ohne erfasste Bearbeitungszeit blieben unberücksichtigt. Mehrere Autoren arbeiten beim untersuchten Anbieter.
Duggan und Kollegen begleiteten 46 Behandelnde aus 17 Fachrichtungen an einem US-Klinikverbund. Die Zeit für Dokumentation je Termin sank von 10,3 auf 8,2 Minuten, der Anteil am selben Tag abgeschlossener Termine stieg von 66,2 auf 72,4 Prozent, die Dokumentationsarbeit außerhalb der Dienstzeit sank von 50,6 auf 35,4 Minuten pro Arbeitstag.
Einordnung: Ein einzelnes Gesundheitssystem, kurzer Beobachtungszeitraum, freiwillige Teilnahme und keine Kontrollgruppe. Die Rückmeldungen der Behandelnden zu Genauigkeit und Nachbearbeitung fielen gemischt aus.
Olson und Kollegen befragten 263 ambulant tätige Behandelnde aus sechs US-Gesundheitssystemen vor und 30 Tage nach Einführung. Der Anteil der Befragten mit berichteten Burnout-Symptomen sank von 51,9 auf 38,8 Prozent. Berichtet wurden außerdem weniger gedankliche Belastung durch Dokumentation und mehr Aufmerksamkeit für Patienten.
Einordnung: Keine Kontrollgruppe, nur 30 Tage, überwiegend Selbstauskünfte einer freiwillig teilnehmenden Gruppe. Ein Mitautor arbeitet beim untersuchten Anbieter. Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang, keinen Nachweis, dass KI-Assistenten Burnout verhindern.
Tan und Kollegen ließen 169 Konsultationen von geschulten Beobachtern direkt mitmessen, statt sich auf Zeitstempel zu verlassen. Die Dokumentationszeit sank von 5,3 auf 4,5 Minuten je Konsultation, der Anteil des Blickkontakts stieg von 69,6 auf 77,1 Prozent. Die Dauer der Konsultation blieb unverändert.
Einordnung: Neun Behandelnde an einem einzelnen Krankenhaus in Singapur, nicht randomisiert, überwiegend englischsprachige Gespräche. Die Studie ist wegen der direkten Beobachtung dennoch aussagekräftiger als reine Befragungen.
Brunner und Kollegen prüften die Dokumentationsqualität von KI-Assistenten in simulierten Patientengesprächen über mehrere Fachrichtungen hinweg. Die Arbeit stellt die Gegenfrage zu den Zeitstudien: nicht wie schnell dokumentiert wird, sondern wie gut.
Einordnung: Simulierte statt echter Behandlungen und eine kleine Stichprobe. Die Einzelergebnisse stehen in der Originalpublikation, ein Abstract ist über PubMed nicht abrufbar. Genau solche Arbeiten sind der Grund, warum jede Dokumentation ärztlich geprüft werden muss.