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Forschung

Weniger Versprechen.
Mehr Einordnung.

Was Studien zur Dokumentationslast und zu KI-Assistenten zeigen – und wo wir noch belastbare Antworten brauchen.

2016DOKUMENTATIONSLAST

Wohin geht die Zeit
im Praxisalltag?

Sinsky und Kollegen untersuchten die Zeitverteilung in vier ambulanten Fachrichtungen in den USA. Die Beobachtungsstudie macht die Bedeutung von elektronischer Dokumentation und Schreibtischarbeit sichtbar.

Originalpublikation Sinsky et al. · Annals of Internal Medicine
2024AMBIENT AI

Mehr Aufmerksamkeit
im Gespräch.

Tierney und Kollegen beschreiben den Einsatz von KI-Schreibassistenten in der Versorgung. Die Arbeit beleuchtet das Potenzial, Dokumentationsaufwand zu reduzieren und die Arzt-Patienten-Interaktion zu unterstützen.

Publikation ansehen Tierney et al. · NEJM Catalyst
AKTUELLE STUDIENLAGE

Fünf Studien.
Mit Zahlen und Grenzen.

Untersucht wurden jeweils andere KI-Assistenten, nicht Sanadoc. Aufgeführt sind die gemessenen Ergebnisse und die Einschränkungen, die die Autoren selbst benennen.

  1. 2026 · JMIR Medical Informatics

    236.153 Dokumentationen in einem europäischen Gesundheitssystem

    Sanmark und Kollegen werteten in einer schwedischen Versorgungskette 236.153 Dokumentationen von 1.295 Behandelnden aus. Die eingeschätzte Dokumentationszeit lag nach Einführung bei 4,72 statt 6,69 Minuten pro Dokument, rund 29 Prozent weniger.

    Einordnung: Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe. Ausgewertet wurde eine ausgewählte Gruppe dauerhaft aktiver Nutzer, die Zeitangabe beruht auf der Selbstauskunft von 177 Befragten. 138.196 Dokumente ohne erfasste Bearbeitungszeit blieben unberücksichtigt. Mehrere Autoren arbeiten beim untersuchten Anbieter.

    Originalpublikation Sanmark et al. · JMIR Med Inform 2026;14:e90052
  2. 2025 · JAMA Network Open

    Dokumentationszeit und Arbeit nach Feierabend

    Duggan und Kollegen begleiteten 46 Behandelnde aus 17 Fachrichtungen an einem US-Klinikverbund. Die Zeit für Dokumentation je Termin sank von 10,3 auf 8,2 Minuten, der Anteil am selben Tag abgeschlossener Termine stieg von 66,2 auf 72,4 Prozent, die Dokumentationsarbeit außerhalb der Dienstzeit sank von 50,6 auf 35,4 Minuten pro Arbeitstag.

    Einordnung: Ein einzelnes Gesundheitssystem, kurzer Beobachtungszeitraum, freiwillige Teilnahme und keine Kontrollgruppe. Die Rückmeldungen der Behandelnden zu Genauigkeit und Nachbearbeitung fielen gemischt aus.

    Originalpublikation Duggan et al. · JAMA Netw Open 2025;8(2):e2460637
  3. 2025 · JAMA Network Open

    Administrative Belastung und Burnout-Symptome

    Olson und Kollegen befragten 263 ambulant tätige Behandelnde aus sechs US-Gesundheitssystemen vor und 30 Tage nach Einführung. Der Anteil der Befragten mit berichteten Burnout-Symptomen sank von 51,9 auf 38,8 Prozent. Berichtet wurden außerdem weniger gedankliche Belastung durch Dokumentation und mehr Aufmerksamkeit für Patienten.

    Einordnung: Keine Kontrollgruppe, nur 30 Tage, überwiegend Selbstauskünfte einer freiwillig teilnehmenden Gruppe. Ein Mitautor arbeitet beim untersuchten Anbieter. Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang, keinen Nachweis, dass KI-Assistenten Burnout verhindern.

    Originalpublikation Olson et al. · JAMA Netw Open 2025;8(10):e2534976
  4. 2026 · JMIR Medical Informatics

    Gemessene Zeit und beobachteter Blickkontakt

    Tan und Kollegen ließen 169 Konsultationen von geschulten Beobachtern direkt mitmessen, statt sich auf Zeitstempel zu verlassen. Die Dokumentationszeit sank von 5,3 auf 4,5 Minuten je Konsultation, der Anteil des Blickkontakts stieg von 69,6 auf 77,1 Prozent. Die Dauer der Konsultation blieb unverändert.

    Einordnung: Neun Behandelnde an einem einzelnen Krankenhaus in Singapur, nicht randomisiert, überwiegend englischsprachige Gespräche. Die Studie ist wegen der direkten Beobachtung dennoch aussagekräftiger als reine Befragungen.

    Originalpublikation Tan et al. · JMIR Med Inform 2026;14:e85580
  5. 2026 · JAMA Network Open

    Qualität in simulierten Patientengesprächen

    Brunner und Kollegen prüften die Dokumentationsqualität von KI-Assistenten in simulierten Patientengesprächen über mehrere Fachrichtungen hinweg. Die Arbeit stellt die Gegenfrage zu den Zeitstudien: nicht wie schnell dokumentiert wird, sondern wie gut.

    Einordnung: Simulierte statt echter Behandlungen und eine kleine Stichprobe. Die Einzelergebnisse stehen in der Originalpublikation, ein Abstract ist über PubMed nicht abrufbar. Genau solche Arbeiten sind der Grund, warum jede Dokumentation ärztlich geprüft werden muss.

    Originalpublikation Brunner et al. · JAMA Netw Open 2026;9(1):e2552870
WISSENSCHAFT BRAUCHT KONTEXT

Was heißt das
für Ihre Praxis?

01

Versorgung ist unterschiedlich.

Studien aus den USA lassen sich nicht unmittelbar auf deutsche Praxen, Abrechnungssysteme und Arbeitsabläufe übertragen.

02

Ergebnisse sind produktbezogen.

Ergebnisse anderer KI-Assistenten sind kein Wirksamkeitsnachweis für Sanadoc.

03

Eigene Evaluation ist geplant.

Sanadoc bereitet Untersuchungen zur Dokumentationszeit und ICD-10-GM-Codierung im deutschen Praxisalltag vor.

Gemeinsam genauer hinsehen.

Sie möchten Sanadoc wissenschaftlich evaluieren? Wir freuen uns über den Austausch.

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